Die Wahrheit über Terpene
Wenn wir über „Geschmack“ sprechen, müssen wir die Chemie hinter das Marketing stellen: Terpene sind oft nur das Fundament – Charakter entsteht durch Ester, VSCs und mehr.
Terpene sind flüchtige organische Verbindungen (VOCs). Unsere Zunge erkennt jedoch nur süß, sauer, salzig, bitter und umami. „Zitrone“ oder „Kiefer“ entsteht primär durch retronasales Riechen – das Gehirn projiziert Aroma auf den Mund.
In der Welt der Gourmets und Cannabis‑Kenner wird oft über „Terpen‑Profile“ und „einzigartige Geschmäcker“ philosophiert. Blickt man jedoch in Aromachemie & Neurobiologie, bröckelt die Marketing‑Fassade: Wahrnehmung entsteht durch ein Zusammenspiel aus olfaktorischer Täuschung, chemischen Reizstoffen und kleinsten Spur‑Verbindungen, die in Standard‑Reports oft fehlen.
Skunk oder „Gas“
Lange Zeit dachten viele, der typische „Skunk-“ oder „Gas‑Geruch“ käme von Terpenen wie Myrcen. Studienlage & moderne Analytik zeigen jedoch: Der „Diesel/Skunk‑Charakter“ hängt stark mit flüchtigen Schwefelverbindungen (VSCs) zusammen, die schon in winzigen Konzentrationen dominieren können.
Ester und Aldehyde
Ester entstehen durch die Verbindung von Säuren und Alkoholen in der Pflanze. Sie sind extrem potent: Schon kleinste Mengen (teils im ppb‑Bereich) verändern das Aroma massiv. Aldehyde liefern oft „grüne“, frische oder wachsige Noten.
Odor Activity Value (OAV)
In der Aromachemie gilt nicht die reine Konzentration als Maßstab, sondern die Wirkung im Verhältnis zur Geruchsschwelle. OAV macht sichtbar, warum ein Stoff mit sehr niedriger Geruchsschwelle das Profil dominieren kann – selbst wenn er im COA „klein“ wirkt.
HS‑SPME + Ester = systematische Untererfassung
HS‑SPME ist bequem und reproduzierbar – aber für Ester oft problematisch. Ester sind hochflüchtig, teils hydrolyseanfällig und matrixsensitiv (Feuchtigkeit, pH, Temperatur). Kleine Abweichungen bei Inkubation, Adsorptionszeit oder Wasseraktivität können Signale stark verändern.
Indole und Skatole
Skatol (3‑Methylindol) ist in hohen Konzentrationen mit Fäkalgeruch assoziiert. In Spuren kann es jedoch „dirty/savory“ Tiefe liefern – Kenner nennen das „funky“, „muffig“ oder „herzhaft“. Oft ist es die Reibung aus süßen Estern plus „Schmutz‑Akzent“, die eine Sorte legendär macht.
Kann man Chlorophyll schmecken?
Im Gegensatz zu flüchtigen Aromastoffen hinterlässt Chlorophyll beim Verbrennen einen sehr realen Eindruck auf Zunge und Hals – und der ist meist negativ: Kratzen („Harshness“), „grün/Heu“‑Noten, schwerer Rauch. Ein schlecht getrocknetes Produkt schmeckt nicht „besonders“ – es trägt die Signatur von Rest‑Chlorophyll und unverarbeiteten Zuckerstoffen.